mario portmann

seekarte

seminar theaterpädagogische projektarbeit / theaterpraxis
fsu jena

imaginata theater der
imaginata jena

istvàn zelenka

theaterpädagogische fabrik des theaters altenburg-gera

seminar 1993/1994

thema: “merlin” von tankred dorst

die 15 teilnehmer sollten im laufe des jahres in die lage versetzt werden, eigenständig szenen, kleine geschichten zu erarbeiten. jeder sollte sowohl als spieler wie auch als spielleiter zum zuge kommen. um diesem experiment einen rahmen, eine “sichere” leine zu geben, griffen wir zu einer stückvorlage. “merlin” von tankred dorst bot die ideale spielwiese. er fächert darin eine unzahl von themen auf und spielt selber mit den verschiedensten formen. die szenen seines stücks sollten aber nicht “klassisch” texttreu bearbeitet werden, sondern als sprungbrett dienen. die springrichtung war den studenten selber überlassen.

1. semester:
die wahl einer literarischen vorlage gab die arbeitsrichtung vor. neben grundübungen zur ensemblebildung und freien improvisationen probierten wir spielansätze im szenischen kontext. das erste semester sollte alle mit grundbegriffen wie situation, figur, vorgang, drehpunkt, konflikt bekanntmachen. damit ein erfahrungsschatz und die begrifflichkeit für die spätere eigene arbeit zur verfügung standen.

clownsspiel:
durch einen zufall machten wir bekanntschaft mit der französischen clownsfrau anne-marie perez. da im seminar die lust bestand, clownsspiel kennenzulernen arbeitete sie mit uns in mehreren blöcken. es zeigte sich, dass ihr ansatz, den clown in sich selber zum spielen zu bringen, für uns äusserst segensreich war. das impulsive, aus dem kind-ich schöpfende clownswesen, dass jeder entdeckte, verhalf zu ungeahnten spielerischen ausbrüchen. das richtige mittel, um intellektuell veranlagte studenten (und regisseure) aus der reserve und ins spielerische jetzt zu befördern.

2. semester
im zweiten abschnitt des projekts betrieben wir dramaturgisch-spielerische analyse der vorlage, inspiriert vom arbeitsansatz der gruppe um livio andreina (schweiz). es ging darum, genau soviel analyse einzusetzen, dass material zum eigenen phantasieren und anreichern, umarbeiten zu tage gefördert wurde. ohne der gefahr zu erliegen, in rein intellektuellen erörterungen unsinnlich zu verhungern. das sah folgendermassen aus:

in jeder sitzung nahmen wir uns zwei szenen vor. in gruppen wurde versucht, eine szenenfabel (was geht vor?) zu formulieren. gemeinsam glichen wir diese ab. im zweiten schritt wurde zu schlüsselbegriffen oder bildern, wiederum in kleingruppen assoziert. der entstehende bilderwald ergab einen sinnlichen, streckenweise phantastischen rahmen für die szene. derart gelockert gingen die teams daran, inszenierungsfabeln zu formulieren. was interessiert an der szene, wie wäre es zu erzählen? ein zuspitzendes, die spielerischen annahmen verschärfendes verfahren. mit diesem material bauten die gruppen eine versuchsandordnung und spielten sich gegenseitig erste skizzen aus dem stand vor. dabei spielte die szenische qualität keine rolle. es ging darum, gedachtes in eine sinnliche, verspielte form zu bringen. dadurch, dass sich immer alle gruppen der szene annäherten, standen am ende jedes seminarblocks zahlreiche, äusserst verschiedene facetten ein und derselben geschichte im raum. diese sammelten wir protokollierenderweise. so arbeiteten wir uns etwa durch 40% des stoffs.

parallel dazu hatte jeder student die aufgabe, sich zwei szenen auszusuchen, die ihn besonders berühren, angehen. die er gerne als spielleiter mit einem team erkunden möchte. im laufe des semesters versuchten wir, die 30 szenen, die später im sommer gearbeitet werden sollten, so zu verteilen, dass in etwa der bogen der vorlage von anfang bis ende erzählt werden würde.

probenphase sommer 1994 in festes et st.andré, südfrankreich
fünf wochen verbrachte das ensemble in südfrankreich, im kindergarten einer künstlerkommune, um die verteilten und vorbereiteten szenen zu arbeiten.

jeder student verantwortete zwei szenen als spielleiter und spielte in vier bis sieben szenen von kollegen mit. das arbeitspensum war enorm. probenlogistik, kostüm- und ausstattungsherstellung, essens- versorgung: alles musste vom ensemble selber organisiert werden. die ersten zwei tage dienten dazu, diese strukturen herauszufinden und zu diskutieren.

anfang august ging es in die endproben und das projekt mündete in eine neunstündige aufführung für die bewohner der kolonie.
zurück in jena spielten wir das ergebnis zwei mal für interessierte.

rezension     anmerkungen

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